Anders

DU BIST SO ANDERS – wie oft habe ich diesen Satz in meinem Leben bisher gehört?
Und momentan hört ihn mein wunderbares Braunauge ganz oft.

Anders – weil sie oft abends weint.
Anders – weil sie unbändig lachen und sich darin vergessen kann.
Anders – weil sie mit Tieren spricht. Und sie mit ihr.
Anders – weil ihre Augen so viel mehr sehen als die ihrer Freundinnen.

Im Zuge unseres Umzugs stand natürlich auch ein Schulwechsel an. Neue Lehrer, neue Freunde, neue Abläufe.
Das alles ist schon recht viel für ein Kind und so gebe ich mir grosse Mühe, unsere Kinder zu begleiten und zu unterstützen.
Während der sanfte Riese und das zarte Blondchen mutig und entschlossen ihren Weg gehen, hadert das Braunauge. Und zwar nicht nur mit der Schule. Den Noten. Den neuen Freundinnen.
Nein. Mit sich.

Ihr Kopf ist durcheinander und die Gefühle wirr. Sie vergisst ganz viel und denkt an so vieles.

Mir war immer bewusst, dass sie ein besonderes Kind ist. Ich habe sie ‚Fühlkind‘ genannt und war stolz, ein so wildes und wahrhaftiges Mädchen geboren zu haben, welches tiefes Glück empfindet, wenn es die Nase im Wind und die Füsse im Matsch hat.

Ja, zugegeben. Das ist auch anstrengend. Denn was sie fühlt, das fühlt sie. Mit jeder Zelle und mit jedem Millimeter ihres Seins. Da wechseln Freude und Tränen wie die Wolken am Himmel und was sie hat, ist nie genug. Sie will mehr von allem. Mehr von der unendlichen Fülle und weint dann bitterliche Tränen, weil am Ende alles zu viel für ihre kleinen Schultern ist.

‚Mama. Das Leben ist so schwer‘ sagte sie kürzlich zu mir und dann viel sie weinend in meinen Arm. Was tut dann eine Mutter?

Ich habe mich hingesetzt und überlegt, in welchen Bereichen ich ihr helfen kann – denn ganz klar ist: da ist Fingerspitzengefühl und behutsames Vorgehen gefragt.
Um sie besser zu verstehen, habe ich mir Rat bei meinen weltbesten Freundinnen geholt und dann Bücher als Hilfestellung bestellt.

Was soll ich sagen?

Bereits auf den ersten Seiten kamen mir die Tränen. Jedes Wort sank so tief in mich hinein, dass vor meinem geistigen Auge ein Film ablief.

Ich – in der Schule. Ich – zu Hause. Ich – als meine Eltern stritten. Ich – die immer ‚anders‘ war.

Ich las und las und las. Mit jeder Zeile kam die Erinnerung. Mit jedem Wort wurde mir klar, warum mein Braunauge so ist, wie sie ist.
Und mit jeder Seite verstand ich, welches Erbe da weiter gegeben wurde.

Was zu meiner Kindheit niemand formulieren konnte, hat jetzt einen validierten Namen.
Und wo meine Mutter oft verzweifelnd vor mir sass und sagte ‚Kind – ich weiss nicht, was mit Dir los ist. Du bist so anders als die anderen Kinder‘ , weiss ich heute, dass ICH das bin, was man HOCHSENSIBEL nennt.

Mein wunderbares Braunauge ist in meine Fußstapfen getreten und niemand wird sie besser verstehen als ich.

Ab jetzt ist mir klar, was ich für sie tun kann – denn mit jeder Hilfestellung helfe ich auch mir. Ich brauche nur die Augen zu schliessen und MICH in ihrer Situation sehen.
Dann muss ich mich einfach mit DEM verbinden, was mich in meinen Meditationen berührt und sie dorthin bringen, wo ich Ruhe finde und sie sich auf das Wesentliche besinnen kann.

Ich muss ihr etwas sagen, was meine Eltern NIE zu mir gesagt haben:
Statt ‚Du bist so anders‘ sage ich ihr jetzt jeden Morgen und jeden Abend die folgenden Worte:

DU BIST SCHÖN.

Bis bald!

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