Algorithmus oder die Tücken von Social Media

‚Von wann ist denn DER Post?‘

Diese Frage lese ich in den letzten Monaten immer häufiger. Hauptsächlich Facebook-Leser beschweren sich, dass man von mir nichts mehr liest oder sie sind erstaunt, wenn sie eine schöne Mala verpasst haben, die ich auf meiner Seite vorgestellt hatte.

Der Grund für diese Informationslücke ist ganz einfach: Google und Facebook werden als Haupt-Informationskanal genutzt – d.h. im Klartext: man lässt sich ‚vorfiltern‘, was man zu sehen bekommt.

Kaum jemandem ist bewusst, dass dies folgendes bedeutet:
ein Algorithmus sortiert alle Beiträge, die im Newsfeed um Sichtbarkeit konkurrieren.

Was genau ist ein Algorithmus?

‚Allgemein gesagt, gibt ein Algorithmus eine Vorgehensweise vor, um ein Problem zu lösen. Anhand dieses Lösungsplans werden in Einzelschritten Eingabedaten in Ausgabedaten umgewandelt.

Besonders in der Informatik spielen Algorithmen eine große Rolle. Sie stellen eine Grundlage der Programmierung dar und sind unabhängig von einer konkreten Programmiersprache. Trotzdem sind Algorithmen nicht nur in der Informatik oder Mathematik vorzufinden. Denn Algorithmen werden nicht nur maschinell durch einen Rechner ausgeführt sondern können auch von Menschen in „natürlicher“ Sprache formuliert und abgearbeitet werden.
Unser modernes Leben ist abhängig von Algorithmen, ohne dass uns dies immer bewusst ist. Die Einsatzgebiete von Algorithmen sind sehr vielfältig: Im Navi zeigen sie uns den kürzesten Weg, schlagen uns als Computergegner im Schach, kontrollieren unseren Satzbau in Office Word oder empfehlen uns einen passenden Partner beim Online-Dating. Ein Algorithmus steckt in vielen technischen Geräten sowie hinter unserer elektronischen Kommunikation.
Algorithmen erleichtern nicht nur unseren Alltag. Sie können auch unsere Verhaltensweise analysieren. Dies passiert nicht nur nachträglich, sondern antizipativ. Algorithmen steuern und beeinflussen uns, sortieren aus, diskriminieren und sind dabei intransparent.

Google, Facebook und Co. berechnen, was wir noch selbst nicht wissen und zeigen uns im Internet die Dinge, die wir sehen sollen bzw. dürfen. So erhalten beispielsweise zwei Nutzer unterschiedliche Ergebnisse, wenn sie in der Suchmaschine den gleichen Begriff eingeben. Am Ende entscheidet der Suchalgorithmus, welche Inhalte dem Nutzer angezeigt werden.‘

(Zitat aus https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/was-ist-ein-algorithmus-definition-und-beispiele/)

Und was bedeutet das jetzt z.b. für Facebooknutzer?

Der persönliche Newsfeed kann auf Grund von einem Überangebot an Inhalten nicht zu 100% abgebildet werden und wird deshalb gefiltert. Das bedeutet also u.a. dass man Seiten, die man z.B. nicht regelmässig liest und kommentiert (oder einem Beitrag der Seite mit einem ‚Like‘ versieht), nicht angezeigt bekommt.

Umgekehrt bedeutet das für die Betreiber von Unternehmensseiten, sogenannten ‚Fanseiten‘, dass sie BEZAHLEN müssen, damit die Abonennten den jeweiligen Beitrag überhaupt sehen.

Nehmen wir zum Beispiel meinen letzten Blogpost und betrachten dort mal die ‚Sichtbarkeit‘:

Algorithmus2

Meine Facebookseite haben 746 Personen abonniert – und nur 293 Leser haben diesen Post in ihrem Newsfeed angezeigt bekommen! Hätte dieser Beitrag nicht 17 Likes und 3 Kommentare bekommen, wäre die Sichtbarkeit sogar noch schlechter – durchschnittlich sehen meinen Beitrag ca. 120 Leser. Wenn ich nicht dafür zahle.

Wie bitte?

Algorithmus3

Wenn ich sicherstellen möchte, dass alle meine Leser tatsächlich meine Inhalte sehen sollen, dann müsste ich pro Tag 10,- Euro bezahlen – verrückt, oder?
Bislang mache ich das nur sporadisch, denn dieses Werbebudget kann ich definitiv nicht leisten.

Natürlich ist Facebook schlau und kontaktiert die Betreiber von Unternehmensseiten regelmässig und erinnert sie daran, dass die Sichtbarkeit besser sein könnte:

Algorithmus1

Algorithmus4

Hättest Du das gedacht?

Der Neue Facebook-Algorithmus geht sogar NOCH einen Schritt weiter:

‚Januar 2018 – Mark Zuckerberg krempelt den Newsfeed Algorithmus auf Links  (Januar 2018)

Bislang eine der größten Änderungen, die von Mark Zuckerberg selbst ankündigt wurde. Facebook ändert den Algorithmus wie von Mark beschrieben um „die Menschen näher zusammenbringen“. Sehr pauschalisiert bedeutet dies, dass Beiträge von Unternehmen und Seiten nur noch eine ungeordnete Rolle im Newsfeed spielen werden.‘

(Zitat aus https://www.datenschutzbeauftragter-info.de/was-ist-ein-algorithmus-definition-und-beispiele/)

Was ist nun die Schlussfolgerung?

Wie ich oben schon geschrieben habe, vertraut ein Grossteil der Leser darauf, dass Neuigkeiten ’schon irgendwie angezeigt werden‘. In den Köpfen entsteht folgende logische Schlussfolgerung:

‚Wenn es mir nicht von Facebook angezeigt wird, gibt’s wohl nix Neues‘.

Fatal.

Wie umgehen wir also diese Krux? Denn seien wir mal ehrlich – ein Grossteil der Menschen da draussen nutzt nun mal Social Media Kanäle als Haupt-Informationsquelle.
Wenn Du also sicher gehen willst, dass Du die Posts Deiner abonnierten Seiten auch mitbekommst, musst Du:

– mehr liken
– mehr kommentieren
– die Seite öfter besuchen
– Seiteninhalte öfter teilen.

So rutscht die jeweilige Seite in Deinem persönlichen Sichtbarkeitsranking nach oben und Du siehst DAS, was Du abonniert hast.
Dieses Leserverhalten kommt den Unternehmerseiten natürlich auch zu Gute, da sie ohne Werbung und ohne bezahlte Klicks mehr Abonennten erreichen.

Wollen wir uns alle ein wenig mehr lossagen von den sozialen Medien (JA BITTE!), führt dies hin zu einem SELBSTBESTIMMTEN Auswahlverfahren.
Eins, in dem wir selbst bestimmen, was wir lesen wollen und was nicht (Kennst Du ja – Dein Newsfeed besteht hauptsächlich aus Zeug, was Dich den Kopf schütteln lässt).

Es ist so einfach, Blogs wie meinen direkt zu abonnieren oder sich einen Feedreader zuzulegen, in dem man alle abonnierten Blogs sammelt.
So baust Du Dir relativ schnell einen Newsfeed auf, der genau Deinen persönlichen Interessen entspricht. Ohne zweifelhafte Autoplay-Videos von Youtube, Vornamenorakel oder das achtunddreissigste Bild eines verschneiten Gartens.

Auf der Startseite meines Blogs geht das direkte Abonnieren ganz einfach und DU hast endlich wieder in der Hand, was Du lesen willst und was nicht.

Algorithmus5

 

Bis bald!

Unbenannt

 

 

 

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