Familie als Gemeinschaft

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Gemeinschaft (von „gemein, Gemeinsamkeit“)[1] bezeichnet in der Soziologie und der Ethnologie (Völkerkunde) eine überschaubare soziale Gruppe (beispielsweise eine Familie, Gemeinde, Wildbeuter-Horde, einen Clan oder Freundeskreis), deren Mitglieder durch ein starkes „Wir-Gefühl“ eng miteinander verbunden sind

Quelle Wikipedia

Wenn ich mit anderen über das Thema Familie spreche, dann kommt man ganz schnell auf die Organisation innerhalb der Familie zu sprechen.
Müssen die Kinder im Haushalt helfen? Wenn ja, wer verteilt die Dienste? Und wie willig nehmen die Kinder diese Dienste an?

In vielen Familien gibt es Pläne, wer wann was machen muss. Mülldienst, Pflanzengiessdienst – alles wird (meistens von der Mutter) eingeteilt und sichtbar aufgehängt. Da gibt es Modelle mit Symbolmagneten und Tafeln für abwischbare Stifte. Da wird mit Farben und lustigen Vorlagen gearbeitet, um den Kindern den ‚Dienst‘ zu versüssen.

Versüssen? Das habe ich noch nie verstanden. Denn wenn es um einen Dienst an der Gemeinschaft geht, dann sollte dieser Dienst doch aus Interesse am Wohlergehen der Gemeinschaft geschehen. Und nicht, weil dieser Dienst auferlegt wird und einklagbar ist.

Ich habe mich immer gefragt, wie wahrscheinlich es ist, dass die Kinder auf diese Weise ihre Dienste gerne machen und ob sie überhaupt den tieferen Sinn dahinter verstehen.

DER ist nämlich, die Gemeinschaft zu unterstützen und zu stärken. Und zwar, weil man selbst erfährt, wie gut eine für sich sorgende Gemeinschaft ist. Eine, die auf das Wohlergehen der Mitglieder achtet – und zwar ohne dazu immer wieder angehalten zu werden.

Vor kurzem wurde ich auf einem Yoga und Meditationsworkshop der lieben Aileen von the.karuna.flow mal wieder an ein wunderbares Ritual aus einem Ashram erinnert (FYI: ein Ashram ist ein klosterähnliches Meditationszentrum):
alle denkbaren Dienste, die der Gemeinschaft zu Gute kommen können, werden auf Zettel geschrieben und zu Beginn des Ashrameintritts darf das neue Mitglied einen Zettel ziehen.

In der Überzeugung, dass der gezogene Dienst genau DER Dienst ist, an dem Du wachsen wirst, wird die Arbeit erledigt. Ohne Zweifel. Ohne Murren. Ohne darüber zu reden.
Die Dienste können vielseitig sein: Hilfe im Haushalt, in der Küche, im Garten, beim Vorbereiten der Zusammenkünfte, beim Schmücken des Altars – viele sind denkbar. Aber auch ‚banale‘ Dinge wie anderen ein Kompliment machen, Hilfe anbieten, Streitigkeiten schlichten oder sich einfach mal zurück nehmen sind ebenfalls drin.

Diesen Ansatz finde ich einfach wunderbar und deckt sich genau mit meiner Vorstellung davon, wie sich eine Gemeinschaft stärken und unterstützen kann.
Sie sorgt für ein Verstehen. Mit dem Fokus darauf, Ihr zu dienen, weil man es aus dem Herzen tut und nicht, weil es auf einem Dienstplan steht.

An einem Freitag vor drei Wochen habe ich mich mit den Kindern zusammengesetzt. Ich habe ihnen von meiner Inspiration erzählt und davon, dass ich nichts davon halte, sie zu Tätigkeiten ‚zu verknacken‘.
Wir haben daraufhin alle für uns vorteilhaften Dienste gesammelt und auf kleine Zettelchen geschrieben und danach durfte jeder SEINEN Zettel ziehen.
Natürlich könnte ich Euch jetzt erzählen, dass seitdem alle Kinder beispielhaft mitarbeiten – aber DEM ist nicht so. Denn sie müssen erst lernen, was es für eine Gemeinschaft heisst, wenn jemand seine Aufgaben nicht so Ernst nimmt.
Da stehen dann auf einmal keine Gläser und Getränke mehr auf dem Tisch. Und die Schuhe stapeln sich im Eingangbereich.
Sie spüren ein Missempfinden und merken, dass unsere Gemeinschaft gerade nicht rund läuft.

Gut so!

Denn nur so lernen sie, wie sich das eigene Verhalten auswirkt. Und nur so spüren sie, dass Gemeinschaft mehr Spass macht, wenn jeder etwas dafür tut.

Heute Abend ziehen wir wieder die Zettel neu.
Wir werden darüber sprechen, was gut und was schlecht lief. Was aufgefallen ist und was besser laufen könnte.
Und dann gehen wir in eine neue Runde, um an unserem ‚Wir-Gefühl‘ zu arbeiten.

Denn WIR sind eine Gemeinschaft!

 

Bis bald,

Unbenannt

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Silva sagt:

    Liebe Wiebke, welch wunderbarer Text und welch wunderbarer Ansatz! Der eigentlich ja auch so einfach ist…und mittlerweile für viele doch so schwierig. Einfach etwas zu tun, weil man es möchte, für das eigene gute Gefühl, welches sich ja auch wieder in die Gemeinschaft hinein ausbreitet. Zu erfahren, was man gut, aber was man auch weniger gut kann und wie es eben auf andere wirkt.

    Herzensgrüße an Dich und Deine Gemeinschaft und viel Spaß beim Zettel ziehen ❤

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