Ballast abwerfen

am

Hier sitze ich nun.

Seit meinem letzen Post sind ein paar Tage vergangen. Tage, in denen sich meine Welt auf den Kopf gestellt hat.
Was passiert ist? I don’t know.
Eine üble Mischung aus ungünstiger Sternenkonstellation, Wechseljahren und zunehmender Krankheit?
Die bis vor ein paar Tagen noch optimale Taktung ist aus den Fugen – der Motor stottert. Die Batterie ist leer.

Nur – wer legt fest, was optimal ist?
Bis vor ein paar Tagen war das mein Kopf.
Der wollte alles schaffen. Alles im Griff haben. Alles kontrollieren.
Auch DIE Faktoren, die sich langsam verselbständigten. Zu viele Baustellen. Zu viel zu koordinieren.

Zu wenig Prioritäten. Und zwar die für MICH.

Und wie es dann zu erwarten ist, geht es mit der Gesundheit bergab. Anfangs helfen dann gegen die Erschöpfung noch Energydrinks. Dann Kaffee. Oder Galgenhumor.
Und dann steigen die Entzündungswerte.
Als Mensch mit multiplen chronischen Krankheiten wandelt man eh auf einem schmalen Grad – hier kommt das System leicht zum Kippen und eine Art Dominoeffekt tritt ein.

Das Ende war ein Wochenende im Bett. Mit vielen, nicht lustigen Medikamenten. Stunden, die ich mit unvorstellbaren Schmerzen im Dämmerzustand von Opiaten verbracht habe. Dann endlich Kortison. Auftauchen aus der Verkrampfung. Aufwachen aus dem Nebel.

Erkennen.
Spüren, dass ich mit dem Rücken zur Wand stehe. Dass ich nur eine Wahl habe: aussteigen oder untergehen.

Mir wurde klar, dass ich in den letzten Monaten ALLES gegeben habe.
Meine ganze Kraft. Für die Kinder. Deren Schulsorgen. Für meine Jobs und meine Erwartungen daran (schliesslich wollte ich mit Stolz behaupten können, dass ich ja auch noch arbeiten gehe).
Für andere.
Nicht für mich.
Kein Yoga. Keine Meditation. Keine Kreativität. Keine Me-Time mehr. Keine Bücher. Kaum Zeit fürs Kochen. Keine Mitte. Kein Zentrum.
Kein ich.

Stattdessen um mich herum nur notdürftig erledigte Baustellen. Denn für NICHTS konnte ich mir richtig Zeit nehmen, weil es keine Priorität mehr gab.

Die erste Entscheidung, die ich noch aus dem Bett heraus getroffen habe, war, meine Jobs aufzugeben.
Das erschien mir zwar im ersten Moment als grösste Niederlage seit langem – nach ein paar Tagen jedoch hatte ich dieses untrügliche Gefühl, das dies auch meine grösste CHANCE bedeutete.
Ich musste jetzt wieder DAS in mein Leben holen, was mich in der Vergangenheit stark gemacht hatte – und ich war (BIN) der festen Absicht, mich gesundheitlich und mental aus eigener Kraft wieder aufzurichten.
Gesagt. Getan.
Gekündigt.
Bäm.

Die zweite Entscheidung hiess BALLAST ABWERFEN.
Denn eins ist klar – wenn man Schwierigkeiten hat, eine bestimmte Menge an Dingen, Gedanken, Situationen zu managen, dann muss man zuallererst alles von Bord werfen, was einen belastet. Und nach unten zieht.
Wer keine Kraft zum Schwimmen hat, hat auch keine Kraft, anderes mit sich mitzuziehen!

Dies war dann der Startschuss für eine grosse Entrümpelungsaktion, die sich bis heute durch alle Räume unseres Hauses zieht.
Hier darf alles gehen, was nicht mehr nutzt. Was nur noch angeschaut wird. Was nur noch Arbeit macht.

Und mit jedem Sack – mit jedem Karton fühle ich, dass ich leichter atmen kann. All das lastet jetzt nicht mehr auf meinen Schultern – sinnbildlich packe ich mit jedem überzähligen Kleidungsstück auch nicht mehr benötigte Gedanken ein.
Verhaltensmuster, die sich in den vergangenen Monaten eingeschlichen haben – Denkmuster, die sich verfestigt, verknotet und mich bewegungsunfähig gemacht hatten.

Und wie gehts jetzt weiter?
Muss man, um DAS zu definieren, nicht erstmal verstehen, WOHER dieses ganze Ding aus dem Nichts kommen konnte?
Wie mir diese abgrundtiefe Erschöpfung, dieses Ausgebranntsein passieren konnte?
War das jetzt der klassische Mütter-Burnout? Die Midlife-Krise?

Letztenendes ist es EGAL, wie wir es nennen.
Es ist nur wichtig, dazu zu stehen. Sich damit zu zeigen. Und offen damit umzugehen.
Denn das ist der erste Schritt in Richtung Heilung.
Ich bin froh, aus diesem destruktiven Karrussell herausgestürzt zu sein – auch wenn ich jetzt einiges an Folgen zu tragen habe.

Das Positive ist: ich erschaffe jetzt einfach Schritt für Schritt das Leben, das mir gut tut und achte sorgsam darauf, DAS zurück zu holen, was mir Kraft gibt und mich nährt.
Wenn ich dabei noch etwas gefleddert aussehe, weil ich dann doch einiges an Federn gelassen habe – geschenkt. Der Weg ist das Ziel und bei meinem nächsten Blogeintrag habe ich bereits wieder festen Boden unter den Füssen!

Stay tuned :O)

 

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